Über die Lage in Amerika


Yanis Varoufakis umschreibt die Aufkündigung des US-Gesellschaftsvertrags, wie Obama/Biden die Banker retteten und Forgottenones ignorierten, was am Ende zur Wahl Trumps geführt hatte.

Der ehemalige griechische Finanzminister erwartet nicht, dass sich die Progressiven in der demokratischen Partei etwa mit Ministerämtern für Warren und Sanders durchsetzen werden. Er schreibt:

“Wahrscheinlich können Trumps Befürworter dies nicht mit so vielen Worten ausdrücken. Ihre Verachtung für das liberale Establishment wurzelt jedoch in der Erkenntnis, dass die reichen Demokraten hinter der Biden-Harris-Wahloption die Bedingungen für die Armen niemals wirklich verändern werden. Jegliche Umverteilung von Reichtum und Macht, die den Treuhandfonds ihrer Kinder oder die an der Wall Street in die Höhe schnellenden Vermögenswerte bedroht, sind tabu – und diese Wähler wissen das.

Vor diesem Hintergrund kann sich niemand vorstellen, dass Biden, so sehr er sich auch bemüht, die Sprache eines Green New Deal zu sprechen, einen Satz wie den von Franklin Roosevelt aussprechen wird, der – bezogen auf Banker – einmal sagte: „Sie sind sich einig in ihrem Hass auf mich – und ich begrüße ihren Hass.“ Ohne die Bereitschaft, der größten Konzentration von Unternehmensmacht in der Geschichte der Vereinigten Staaten entgegenzutreten, wird selbst der liebenswürdigste Präsident weder soziale Gerechtigkeit noch eine ernsthafte Eindämmung des Klimawandels erreichen. Zumindest war Trump nicht heuchlerisch, könnten seine Anhänger sagen.

So hat Joe Biden zwar gewonnen. Zum Glück. Aber er hat es trotz, nicht wegen seines höflichen Benehmens und des Versprechens getan, im Weißen Haus wieder Normalität einkehren zu lassen. Die große Unzufriedenheit, die Trump 2016 an die Macht brachte, ist nicht verschwunden. Das zu ignorieren, leistet nur zukünftigen Katastrophen Vorschub – für die USA und den Rest der Welt.”

Yanis Varoufakis
FREITAG

Dazu:

US-Demokraten
Bitte links abbiegen

Kaum dass der Sieg von Joe Biden feststeht, brechen bei den Demokraten die alten Flügelkämpfe wieder aus – zumal es nicht nur um Positionen, sondern auch um Posten geht.

“So drängt der linke Flügel darauf, im künftigen Biden-Kabinett prominent vertreten zu sein. Die Progressiven fordern das Finanzministerium für die Senatorin Elizabeth Warren, eine harsche Kritikerin der Wall Street, und das Arbeitsministerium für Bernie Sanders, den Senator aus Vermont, der sich selbst einen “demokratischen Sozialisten” nennt.”

Von Hubert Wetzel, Washington
SZ

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