Über den inhaltslosen Machterhalt hinaus


Von Kohl lässt sich allerdings noch etwas anderes lernen: nämlich die Notwendigkeit, die Macht nicht als Selbstzweck, sondern zur Erreichung eines nachvollziehbaren Zieles einzusetzen. Diese „sachliche Leidenschaft“ (Weber) stand bei Kohl – jedenfalls mit Blick auf Europa – außer Frage. Angela Merkel wird erst noch beweisen müssen, dass ihre Politik tatsächlich von Leidenschaft in der Sache, also von echter Überzeugung von Europa, motiviert ist – und nicht ganz primär vom bloßen, durchaus inhaltslosen Machterhalt. Aus Merkels und Schäubles Europapolitik ist jedenfalls bisher keineswegs eindeutig hervorgegangen, dass sie in der Adenauerschen und Kohlschen Tradition steht, im Gegenteil: „Germany first“ erscheint allzu oft als die oberste Devise.
Albrecht von Lucke
blaetter.de

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