„Zerstörung der Vernunft“


von Georg Lukács
Biographie
Ungarischer Philosoph, Literaturwissenschaftler und -kritiker, 1885 – 1971

lukacs-gesellschaft

GEORG LUKÀCS
06.06.1971, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 24/1971
spon

Dazu:

Prof. Dr. Horst-Jürgen Gerigk
Vortrag vom Juni 2016
„Die Theorie des Romans“: Georg Lukács und Hegel – Aus der Vorbemerkung –

Und deshalb ist es nur konsequent, wenn Georg Lukács in seiner Schrift „Die Zerstörung der Vernunft“ (zuerst 1952) Schopenhauer und insbesondere Nietzsche für den „Irrationalismus in der deutschen Politik“ (sein Wort) verantwortlich macht, den Irrationalismus, durch den ein Adolf Hitler an die Macht kommen konnte. Das letzte Kapitel der „Zerstörung der Vernunft“ hat die Überschrift „Die ,nationalsozialistische Weltanschauung’ als demagogische Synthese der Philosophie des deutschen Imperialismus.“ Die mehr oder weniger explizite Implikation der „Zerstörung der Vernunft“ besteht darin, dass unter der Ägide eines recht verstandenen Hegel, der nicht von seiner Dialektik befreit werden durfte, und eines Marx eine solche Entwicklung der deutschen Politik hinein in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs nicht möglich gewesen wäre. Und so beschimpft Lukács die „Lebensphilosophie im imperialistischen Deutschland“ und zieht alle Beteiligten aufgrund ihrer Äußerungen zur Verantwortung: Dilthey, Simmel, Spengler, Scheler, Heidegger, Jaspers, Klages, Ernst Jünger, Alfred Baeumler, Hermann Boehm, Ernst Krieck, Alfred Rosenberg, wobei Hitlers Zynismus ins Zentrum rückt ujnd „Mein Kampf“ besondere Aufmerksamkeit findet. Ein ganzes Kapitel richtet sich gegen „Houston Stewart Chamberlain als Begründer der modernen Rassentheorie.“

1966 sind, wie betont wird, „einige entscheidende Kapitel“ der „Zerstörung der Vernunft“ von 1954 als Fischer-Taschenbuch von 268 Seiten dem „breiten Publikum zugänglich gemacht worden“— unter dem Titel:

„Von Nietzsche bis Hitler oder Der Irrationalismus in der deutschen Politik.“
booklooker.de

Das erste Kapitel darin setzt ein mit der Überschrift: „Nietzsche als Begründer des Irrationalismus der imperialistischen Periode.“ Zweifellos hat „Die Zerstörung der Vernunft“ den Nerv der deutschen Öffentlichkeit getroffen und kompromißlos Fronten profiliert.
horst-juergen-gerigk

Dazu:

4.7.2021 – Berlin
Georg Lukács im 21. Jahrhundert – Konferenz zum 50. Todestag
In: H-Soz-Kult, 28.05.2021, www.hsozkult.de/event/id/event-97976

Georg Lukács ist einer der großen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Er hat die Umbrüche dieses Jahrhunderts begleitet und sie in Philosophie und politischer Theorie, in Ästhetik und Literatur, aber auch in seinem politischen Handeln verarbeitet. Sein epochemachendes Werk Geschichte und Klassenbewußtsein war nichts weniger als die Initialzündung des sogenannten Westlichen Marxismus und strahlte aus in die Kritische Theorie, die Praxisphilosophie und den Humanistischen Marxismus; durch seine Theorie des Romans und die Ausarbeitung einer marxistischen Ästhetik wurde er ein Klassiker der Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts.

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