"Vielleicht hängt die Zukunft in Wirklichkeit ja von uns ab!"


David Graeber im ZEIT-Interview (Auszug)

ZEIT ONLINE: Um die Menschen von ihren Bullshit-Jobs zu befreien, schlagen Sie die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens vor. Viele Aktivisten sprechen jetzt von einer anderen Welt, die plötzlich möglich scheint. Aber ist es nicht völlig illusorisch, dass wir ausgerechnet in solch einer Krise unser Wirtschaftssystem umbauen können? Während wir gleichzeitig eine weltweite Katastrophe bekämpfen?

Graeber: Es ist sogar viel einfacher, mitten in einer Krise solche Veränderungen durchzusetzen! Wir organisieren unsere Wirtschaft ja gerade sowieso um, ob es uns jetzt gefällt oder nicht. So viele grundsätzliche Fragen wurden lange nicht gestellt, weil man sie gar nicht formulieren konnte in der Sprache der neoliberalen Ökonomen. Die haben so getan, als wären sie im Besitz einer Wissenschaft, die sowieso schon alle Antworten kennt. Der Neoliberalismus ist in seinem Kern ein Mittel, um Leute davon abzuhalten, sich eine andere, abweichende Zukunft auszumalen – weil sowieso alles alternativlos ist. Aber vielleicht hängt die Zukunft in Wirklichkeit ja von uns ab! Genau das bemerken wir jetzt in dieser Krise. Die Frage ist nur: Was passiert danach?
ZEIT

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