Gegen extralegales Wirtschaften


Den Verfechtern einer anderen Politik ans Nachtkästchen gelegt

Den Damen und Herren von ROT-ROT-GRÜN, die fürderhin, nach der gewonnenen Bundestageswahl 2017, ihre “Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren und Schaden von ihm wenden” wollen, sei stellvertretend

Martin Schulz
Sahra Wagenknecht
Jürgen Trittin

http://www.sueddeutsche.de/kultur/wirtschaftstheorie-wer-viel-hat-1.3438249

diese Rezension ans Herz (und ans Hirn) gelegt, um die darin aufgezeigten strukturellen Zustände der sich verfestigenden Reichen-Oligarchie erstens vollends zu verstehen, um sie dann schrittweise abzuschaffen. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.
mkv

Zitat:

Steuerparadiese bilden nur einen Teil einer globalen Sondersphäre, zu der alle Freihandelszonen und sonstige exterritoriale Speicher- und Umschlagsplätze gehören, aber auch alle Orte inmitten der Nationalstaaten, die anonymisierte Identitäten zulassen. Diese Sphäre stellt für das Management von Kapitalbesitz ab einer bestimmten Größenordnung extralegale Räume zur Verfügung, die für staatliche Behörden uneinsehbar und unkontrollierbar sind.

In vielen solcher Exklaven lässt sich alles anlegen und mit allem handeln, was das Licht amtlicher Prüfungen oder Bilanzen scheut, dubiose Finanztitel, Kunstwerke oder undeklarierte Waren aller Art, von Drogen, Waffen oder Geldwäsche gar nicht zu reden. Nicht dass die Gegenstände dort physisch gehandelt werden müssten, die (oft nur virtuelle) Lokalisierung der Transaktion reicht. Jones nennt ihre mobilen Akteure “non-doms”, Nicht-Ansässige.
Andreas Zielcke

Hinweis:

Der besprochene Sammelband der amerikanischen Ökonomen Heather Boushey, J. Bradford DeLong und Marshall Steinbaum mit dem Titel
“After Piketty – The Agenda for Economics and Inequality”

erscheint im Mai bei Harvard University Press.

Dazu passt:

“ .. ist es die Ausgestaltung dieser Welt, die “Alles, was ich am Strand gefunden habe” zu etwas Besonderem macht?”

Wie kaum ein Zweiter kann Cynan Jones über Tiere schreiben, und er nutzt dieses Talent, um ein extrem dissonantes Dröhnen hinter seinen Text zu legen: Rinder werden in Ausblutbuchten zerlegt, eine Taubenbrust platzt bei der Attacke durch einen Sperber, und ein Kaninchen wälzt sich im Todeskampf, “als würde es von einer kranken Gottheit am Faden gehalten”. Erst die hyperrealistische Linse dieses Autors führt das aberwitzige und verrohende Ausmaß der Brutalität vor Augen, welches Hold auf der Jagd und Gregorz im Schlachthaus erlebt. In der düsteren Logik dieses Erzählers ist es immer nur eine Frage der Zeit, bis diese mörderische Mechanik der Naturgesetze auch unter den Menschen greift. Es ist ein Hobbes’scher Krieg aller gegen alle, den Cynan Jones entwirft. Sprachlich brillant und dennoch höchst unbehaglich in der Lektüre, da man spürt: Das Dröhnen, das durch diesen Roman hallt, tönt aus der Gegenwart unserer europäischen Wirklichkeit herüber.

Cynan Jones: Alles, was ich am Strand gefunden habe.
Roman; aus dem Englischen von Peter Torberg; Liebeskind, München 2017; 240 S.;

DIE ZEIT 11/2017
Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 9.3.2017.

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