Die Glühbirnen-Erzählung


Die “wahnsinnige” Euro-Krisen-Rettung Griechenlands. Ein 5-jähriger, stets untauglicher Rettungsversuch findet sein natürliches Ende und mündet in eine objektive Orientierungslosigkeit der gesamten Lage.

Man nehme, bildlich gesprochen, alle ausgewiesenen EU-Entscheidungsträger und gebe ihnen je ein alte Glühbirne in die Hand. Um gemeinsam die Birnen zum Leuchten zu bringen, schlägt ein jeder sanft aber doch die seine auf eine Tischkante. Das greifbare Ergebnis: kein Licht, keine Erleuchtung – Scherben allenthalben. Überall. Im fünften Jahr, nach mehr als 3000 Tagen des gemeinsamen Versuchs, das vornehmlich am kleinen griechischen Bürger vollzogene “Spar“diktat zum strukturellen, Wachstum gerierenden Leuchten zu bringen, quillt der Wahnsinn der Unterfangens aus allen Ecken und Kanten. Die griechische Regierung hat alle noch verhandenen intakten Glühbirnen eingezogen und steht nun, wie alle anderen auch, (weiterhin) im Dunkeln. Die Dunkelheit scheint sich in dem Maße auszubreiten, wie sich der Golf-Strom beharrlich abkühlt – mit unabsehbaren Folgen für das Klima.

mkv

Dazu:

“Unter W[ahn bzw. Wahnsinn] ist eine krankhaft falsche Beurteilung der Realität zu verstehen, an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird und die erfahrungsunabhängig auftritt. Die Überzeugung steht im Widerspruch zur Wirklichkeit und zur Überzeugung der anderen Menschen.”
Jagow, Bettina v./ Steger, Florian: Literatur und Medizin. Ein Lexikon, Göttingen 2005, S. 843

Dazu:

Was ist (schon) der (griechische) Staat und ein gelingendes Europa?

Wider das Schweigen der empathie-armen deutschen Kanzlerin.

Wo bleibt die Nachjustierung (Harvard-Konzept) einer anfänglich fehlgeleiteten Krisenpolitik?

Ein mutige (Es muss ein “Ruck” durch Euro-Land gehen!) Kanzlerin stellte jetzt die Weichen für ein “echtes Staatsaufbauprogramm” und rief eine “große Schuldenkonferenz” ein.

Dabei bekundete sie:
“Wer Europa wirklich [wirklich] will, der muss sagen, dass das auf Dauer ohne ein Euro-Zonen Parlament, ohne einen Euro-Finanzminister, ohne einen Finanzausgleich und ohne eine gemeinsame Einlagen- und Arbeitslosenversicherung nicht geht.”
mkv

In Anlehnung an:

Die kühle Kanzlerin
von Claus Hulverscheidt
Süddeutsche Zeitung, Nr. 148, vom 1. Juli 2015 (Seite 4) – Ein wahrhaft preiswürdiger Kommentar –

Jetzt auch online, sz

Dazu:

Professor Rudolf Hickel

“Derzeit setzen die drei Institutionen trotz etlicher Zugeständnisse im Prinzip die seit 2010 als Gegenleistung für Finanzhilfen durchgesetzte Austeritätspolitik fort. Diese hat unbestreitbar zum Einbruch der Produktion um 25%, zum Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über 25% (Jugendliche 50%) und zur steigenden Armutsquote geführt hat. Da die gesamtwirtschaftliche Produktion stark eingebrochen ist, hat der Anteil der Gesamtschulden am Bruttoinlandsprodukt auf über 180 % zugenommen.”
NDS

Dazu:

Dr. Gysi sagte, zur Kanzlerin gewandt, sie habe die “Chance, entweder als Retterin oder als Zerstörerin der europäischen Idee in die Geschichte einzugehen”.

Gabriel (ab 49. Minute) sagt klar und deutlich, dass die Bürger Griechenlands über Jahrzehnte “Opfer der [dortigen] Konservativen und Sozialdemokraten” waren und Europa dabei zuschaute.

Dr. Hofreiter (ab 55 Minute) forderte die Kanzlerin auf, sich ehrlich zu machen; er bestritt die von ihr behauptete Stabilität in der EU; zeigte die zunehmenden Probleme in der EU auf und rügte, dass Merkel zurück zum Nationalen unter Schwächung der EU-Instiutionen gegangen sei; die Idee von Europa komme so unter die Räder. Er plädiert für eine faires, langfrist angelegtes Abkommen mit GR, das Vertrauen bringt für Bürger wie Investoren. Dafür bräuchte es freilich MUT auf allen Seiten, um die “nationalen Spielchen” zu beenden.

“Am schwersten haben es die Menschen in Griechenland.”
Schäuble

Zur BTags-Debatte vom 1.7. 2015

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