Der Green New Deal ist unsere Bestimmung


Das bei weitem größte Hindernis, vor dem wir stehen, ist Hoffnungslosigkeit, das Gefühl, es sei alles zu spät, wir hätten dem Problem zu lange den Rücken gekehrt und wir bekämen es in so kurzer Zeit nicht mehr in den Griff.

All das wäre wahr, wenn der Prozess der Transformation bei null beginnen müsste. Aber es gibt Zehntausende Menschen und sehr viele Organisationen, die seit Jahrzehnten an einem Durchbruch arbeiten, der dem Green New Deal gleichkommt (indigene Gemeinschaften, die ihre Lebensweise bewahrt haben, tun dies seit Jahrhunderten). Diese Kräfte haben weitgehend unbeachtet bereits auf lokaler Ebene Modelle entwickelt und erprobt, wie eine Klimapolitik aussehen kann, in deren Mittelpunkt Gerechtigkeit steht – wie wir Wälder schützen, erneuerbare Energie erzeugen, den öffentlichen Verkehr gestalten können und vieles mehr.

„Gesellschaft? Wer soll das sein?“, fragte 1987 die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, um ihren erbarmungslosen Angriff auf die Sozialsysteme zu rechtfertigen. „So etwas gibt es nicht! Es gibt einzelne Männer und Frauen, und es gibt Familien.“ Diese düstere Sichtweise – dass wir nicht mehr sind als eine Ansammlung atomisierter Individuen und Kleinfamilien, die nichts von Wert zustande bringen und nur in Kriegen kollektiv handeln können – hat die Vorstellungskraft der Menschen für sehr lange Zeit gelähmt. Kein Wunder, dass so viele von uns glaubten, wir könnten die Herausforderungen der Klimakatastrophe nicht bewältigen.

Doch über dreißig Jahre später löst sich diese Ideologie des „freien Markts“ ebenso sicher auf, wie die Gletscher schmelzen und die Eisschilde auseinanderbrechen. An ihre Stelle tritt allmählich eine neue Vision, die uns zeigt, wie wir Menschen sein könnten. Sie kommt von den Straßen, aus den Schulen, von Arbeitsplätzen und sogar aus den Parlamenten. Sie sagt uns, dass wir alle gemeinsam das Gewebe der Gesellschaft bilden.

Und wenn die Zukunft des Lebens auf dem Spiel steht, können wir alles erreichen.

Naomi Klein

blaetter.de

Der Beitrag basiert auf „Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann“, dem jüngsten Buch der Autorin, das soeben im Hoffmann und Campe Verlag erschienen ist. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Gabriele Gockel, Sonja Schuhmacher und Barbara Steckhan.

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